60 Jahre Invalidenversicherung

Ausgabe CHSS Nr. 3 ⁄ September 2020

60 Jahre Invalidenversicherung

Abstimmungsplakat für die Rothenberger-Initiative, die Mitte Februar 1919 durch den freisinnigen Nationalrat Christian Rothenberger zur Schaffung einer Invaliditäts-, Alters- und Hinterbliebenenversicherung lanciert wurde. Die Räte diskutierten diese ab 1919 parallel zum Entwurf des Bundesrats für eine Invaliditäts-, Alters- und Hinterlassenenversicherung, der Ende 1925 vom Volk angenommen wurde, während die Rothenberger-Initiative v.a. aufgrund ihrer umstrittenen Finanzierungsvorschläge ein halbes Jahr zuvor noch verworfen worden war.

Die Tatsache, dass die Schweiz nach dem 1. Weltkrieg keine Kriegsinvaliden zu versorgen hatte, erlaubte es Bundesrat und Parlament, sozialpolitische Prioritäten zu setzen und die Umsetzung der AHV gegenüber der IV vorzuziehen. Erst Mitte der 1950er-Jahre erhöhte sich der politische Druck so stark, dass das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) innerhalb von fünf Jahren erarbeitet, diskutiert und auf den 1. Januar 1960 in Kraft gesetzt wurde.

Im Zentrum des Schwerpunkts steht aber weniger die Geschichte des Bundesgesetzes, obschon ein historischer Abriss herausarbeitet, dass die soziale Sicherung und mit ihr die berufliche und soziale Integration von Menschen mit einer Behinderung im Rahmen der Invalidenversicherung (IV) eine dynamische Aufgabe ist, die immer wieder neu verhandelt und ausgerichtet werden muss. Vielmehr rücken in einem Interview der CHSS mit Bundesrat Alain Berset sowie in der Beurteilung wichtiger Anspruchsgruppen die Gegenwart und Zukunft der Versicherung in den Mittelpunkt.

«Die IV gibt Menschen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung und ihren Familien eine Perspektive»

Die CHSS diskutierte mit Bundesrat Alain Berset, inwiefern wir als Gesellschaft das Inte­grationsversprechen eingelöst haben, das wir den Menschen mit Behinderung vor 60 Jahren mit der Inkraftsetzung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) gaben: Wo ist es uns gelungen, ihnen…… ganzen Artikel lesen

Die IV: Stief- und Vorzeigekind des Sozialstaats

Die Einführung der IV 1960 war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Sozialstaats. Ihre Geschichte war von politischen Kämpfen geprägt und zeugt davon, wie Politik und Verwaltung auf neue soziale Herausforderungen reagierten. Sie ist zugleich ein Spiegel des Umgangs…… ganzen Artikel lesen

Erwartungen an den Bund

Zum 60-jährigen Bestehen der IV beurteilen deren Anspruchsgruppen, wo der Bund mit der Entwicklung des IVG steht und wie die Sozialversicherung in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden soll…. ganzen Artikel lesen

Aktuelle Ausgabe: CHSS Nr. 3 ⁄ September 2020 – 60 Jahre Invalidenversicherung

60 Jahre IV – Integration als gesellschaftlicher Auftrag (Stefan Ritler)

Schwerpunkt: 60 Jahre Invalidenversicherung

«Die IV gibt Menschen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung und ihren Familien eine Perspektive»Die CHSS diskutierte mit Bundesrat Alain Berset, inwiefern wir als Gesellschaft das Inte­grationsversprechen eingelöst haben, das wir den Menschen mit Behinderung vor 60 Jahren mit der Inkraftsetzung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) gaben: Wo ist es uns gelungen, ihnen die Teilhabe zu sichern, und wo gibt es noch Handlungsbedarf?  

Die IV: Stief- und Vorzeigekind des SozialstaatsDie Einführung der IV 1960 war ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Sozialstaats. Ihre Geschichte war von politischen Kämpfen geprägt und zeugt davon, wie Politik und Verwaltung auf neue soziale Herausforderungen reagierten. Sie ist zugleich ein Spiegel des Umgangs der Gesellschaft mit gesundheitlich beeinträchtigten und oft auch sozial benachteiligten Menschen. (Urs Germann)

Erwartungen an den BundZum 60-jährigen Bestehen der IV beurteilen deren Anspruchsgruppen, wo der Bund mit der Entwicklung des IVG steht und wie die Sozialversicherung in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden soll.

Familie, Generationen und Gesellschaft

Lokale Governance der Altershilfe im MehrebenensystemMit der gesellschaftlichen Alterung steigt der Bedarf nach Unterstützungsleistungen für ältere Menschen. Die Steuerung von Massnahmen der Altershilfe erfolgt in Governance-Netzwerken auf lokaler Ebene durch private und öffentliche Akteure. Doch auch Kantone, Bund und andere Akteure sind beteiligt. (Thomas Vollmer)

Armutspolitik gemeinsam gestaltenMassnahmen der Armutsprävention und -bekämpfung sollten gemeinsam mit den betroffenen Personen erarbeitet, durchgeführt und evaluiert werden. Für die Ausgestaltung gibt es vielfältige Möglichkeiten. Eine neue Studie zeigt einige davon auf und beschreibt, unter welchen Bedingungen Partizipation gelingen kann. (Emanuela Chiapparini; Claudia Schuwey; Michelle Beyeler; Caroline Reynaud; Sophie Guerry; Barbara Lucas; Nathalie Blanchet)

Gewalt und Vernachlässigung im Alter verhindernJährlich sind in der Schweiz zwischen 300 000 und 500 000 Menschen ab 60 Jahren von Gewalt und Vernachlässigung betroffen. Eine aktuelle Studie hat das Phänomen und existierende Präventionsmassnahmen untersucht. (Paula Krüger; Cécile Bannwart)

Interinstitutionelle Zusammenarbeit

Mehrebenen-Governance im Zeichen der beruflichen IntegrationVor gut 20 Jahren beauftragte die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des National­rats den Bundesrat mit der Einsetzung einer interdepartementalen Arbeitsgruppe, die einen Bericht und einen Massnahmenplan zur Optimierung der IIZ erarbeitete. BSV-Vizedirektor Stefan Ritler unterhielt sich mit den Fachspezialistinnen Sabina Schmidlin und Andrea Lüthi über bislang Erreichtes und nächste Ziele.

Sozialpolitik

Gesamtrechnung der Sozialversicherungen 20182018 beliefen sich die Einnahmen aller Sozialversicherungen auf 184 Mrd. Franken, die Ausgaben auf 164 Mrd. Franken und das Ergebnis auf 19 Mrd. Franken. Negative Kapitalwertänderungen führten zu einer Abnahme des Kapitals aller Sozialversicherungen auf 984 Mrd. Franken. (Salome Schüpbach)

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