Familienbericht CHSS Nr. 4 / Dezember 2017

Junge Familien im gesellschaftlichen Wandel

In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren wurde eine Auflösung der Familie ­vorhergesagt. ­Diese Prognose hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil erleben Paarbeziehungen und ­Familien in neuerer Zeit eine Wiederaufwertung. Familiale Beziehungen haben sich ­gewandelt, sie bleiben aber auch in einer hochmodernen urbanen Gesellschaft bedeutsam.

Im Rahmen des Familienberichts 2017 des Bundesrates wurde eine Analyse zu familialen Wandlungen und Kontinuitäten in den letzten vier Jahrzehnten durchgeführt (Höpflinger 2017). Im Folgenden werden einige zentrale Wandlungsprozesse von Familiengründung und Familienstrukturen angeführt.

Wandel der Familiengründung Durch den Geburtenrückgang ab 1966 erhöhte sich der Anteil von Familien mit ein bis zwei Kindern, wogegen kinderreiche Familien mit vier und mehr Kindern seltener wurden. 2012 bis 2014 umfassten weniger als fünf Prozent der Zweielternfamilien vier und mehr Kinder. Auf der anderen Seite zeigt sich jedoch auch keine Abkehr von der Familie im Sinne einer vermehrten grundsätzlichen Befürwortung eines kinderlosen Lebens. Der Anteil an befragten Personen, die Kinderlosigkeit als ideal oder für sich persönlich als erwünscht erachten, hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht erhöht. Nur sechs Prozent der 20- bis 29-jährigen, noch kinderlosen Frauen wünschten sich 2013 kinderlos zu bleiben, gleich viel wie 1994/95 (BFS 2015). Kinder zu haben, gehört auch heute grossmehrheitlich zum Lebensentwurf junger Menschen.

Die Geburtenrate ist allerdings geringer als es ursprünglich geäusserte Kinderwünsche erwarten lassen. Gesellschaftlich ist eher die Realisierung familialer Pläne und nicht eine grundsätzliche Abkehr von der Familie ein Problem (Häberling 2013). Stark verschoben hat sich namentlich der Zeitpunkt einer Familiengründung. Der Trend zu Kleinfamilien wurde begleitet durch einen markanten Trend zu später Familiengründung. Waren 65 Prozent der 1934 bis 1943 geborenen Frauen – die in den Nachkriegsjahrzehnten ihre Familie gründeten – bei der Geburt des ersten Kindes unter 30 Jahre alt, war dies bei den 1974 bis 1983 geborenen Frauen – die zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Familie gründeten – noch bei 30 Prozent der Fall. Bei den Männern sank dieser Anteil von 50 Prozent (1934 bis 1943 geboren) auf 19 Prozent (1974 bis 1983 geboren) (BFS 2017, Kap. 4.2). Längere Ausbildungszeiten, späteres Eingehen einer festen Partnerbeziehung sowie eine erhöhte Erwerbsbeteiligung von Frauen sind wichtige Ursachen für eine verzögerte Familiengründung, insbesondere von Frauen und Männern mit einer Tertiärausbildung. In urbanen Regionen wurde und wird eine verzögerte Familiengründung verstärkt durch die Entstehung eines jugendorientierten Lebensstils junger Erwachsener, die vor einer Familiengründung eine jugendnahe ‹Auszeit› pflegen.

Durch die verzögerte Familiengründung hat sich das reproduktive Zeitfenster verengt, vor allem für Frauen (Wirthlin 2015). Die Lebensphase zwischen dem 25. und 40. Altersjahr ist gleichzeitig auch der Lebensabschnitt, in dem jüngere Erwachsene – und zwar immer häufiger Frauen und Männer gleichermassen – den intensivsten beruflichen Stress erfahren: zum Aufbau einer beruflichen Karriere oder zur Festigung ihrer wirtschaftlichen Lebenslage. Es gehört zur Herausforderung des jüngeren Erwachsenenalters, dass unter heutigen Lebens- und Berufsbedingungen die zentralen Lebensentscheide (Stabilisierung einer Partnerbeziehung, Erwerbskarriere, Familiengründung) innerhalb eines engen und möglicherweise zu engen Zeitfensters getroffen werden müssen.

Eine verstärkte Zuwanderung in die Schweiz, eine zunehmende geografische Mobilität junger Menschen sowie eine erhöhte Globalisierung des Partnerschaftsmarktes tragen dazu bei, dass die Heterogenität von Paaren bezüglich ihrer nationalen Herkunft angestiegen ist. Der Anteil von Eheschliessungen, in denen beide Personen die schweizerische Nationalität aufweisen, sank zwischen 1970 und 2014 von gut 75 auf 49 Prozent. Häufiger wurden sowohl binationale Eheschliessungen (Frau oder Mann ausländischer Nationalität) als auch Eheschliessungen unter Ausländerinnen und Ausländern. Entsprechend wachsen mehr in der Schweiz geborene Kinder mit binationalen oder ausländischen Eltern auf. Dies kann sich in einer wirtschaftlich globalen Welt für die spätere berufliche Mobilität als Vorteil erweisen. Konflikte in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern innerhalb von Migrationsfamilien sind zumeist nicht – wie in öffentlichen Diskussionen vermutet wird – auf einen Konflikt zwischen zwei Kulturen zurückzuführen, sondern sie widerspiegeln in erster Linie Unterschiede von Bildungs-, Berufs- und Wohnerfahrungen zwischen den Eltern und ihren in der Schweiz aufwachsenden Kindern (Juhasz/Mey 2003, S. 315). Aufwachsen in zwei Kulturen ist primär unter zwei Bedingungen spannungsvoll: erstens, wenn es sich um bildungsferne und sozial schlecht integrierte Eltern ohne Bildungsansprüche für ihre Kinder handelt. Solche Migrationskinder profitieren von einer frühen familienergänzenden Betreuung. Familiale Spannungen können sich zweitens ergeben, wenn die Eltern aus paternalistisch-patriarchal geprägten Gesellschaften stammen, deren Wertesystem zu Familie und zur gesellschaftlichen Stellung der Frauen quer zu unseren egalitären Werten stehen.

Erwerbsmodelle junger Familien – hin zu einem teilmodernisierten Familienmodell Einer der zentralen gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ist eine erhöhte Frauenerwerbstätigkeit. Während 1960 erst zwei Fünftel aller 15–64-jährigen Frauen in irgendeiner Form erwerbstätig waren, stieg dieser Anteil ab Beginn der 1990er-Jahre auf über sechzig Prozent. Die erhöhte Frauenerwerbstätigkeit hat verschiedene Ursachen (bessere schulisch-berufliche Ausbildung von Frauen, Wertewandel der Geschlechterrollen usw.). Ein wichtiger Treiber für die kontinuierliche Integration junger Frauen in den Arbeitsmarkt ist die Steigerung der Qualifikationsanforderungen in der Arbeitswelt, wodurch sich längere berufliche Unterbrüche negativ auf spätere Erwerbsmöglichkeiten auswirken. Umgekehrt beeinflusste die verstärkte Erwerbsintegration von Frauen ihrerseits die Arbeits- und Familienwelt. Einerseits haben sich die traditionellen Geschlechterrollen in der Arbeitswelt abgeschwächt und es wurden flexiblere Modelle der Arbeit eingeführt (Teilzeitarbeit, Jahresarbeitszeiten, Arbeit zu Hause, berufliche Wiedereinstiege u. a. m.). Andererseits wurden partnerschaftliche Familienmodelle und familienergänzende Formen der Kleinkinderbetreuung häufiger.

Die Mehrheit der erwerbstätigen Mütter arbeitet teilzeitlich. Teilzeitarbeit ist namentlich bei Müttern mit Partner und Kleinkindern verbreitet. Die Mehrheit der heutigen Mütter – sofern sie nicht alleinlebend sind – kombinieren Berufs- und Familienleben mithilfe eines Teilzeitpensums. Väter besetzen seltener Teilzeitstellen, auch wenn der Trend ansteigend ist. Insgesamt betrachtet hat das klassische Ernährermodell (Vater arbeitet vollzeitlich, Mutter kümmert sich vollzeitlich um Haushalt und Kinder) seine vorherrschende Stellung eingebüsst. Entsprachen 1970 noch drei Viertel der Paare mit Kleinkindern diesem Modell, traf dies 2014 nur noch für einen Viertel zu (vgl. Tabelle T1). In den letzten Jahrzehnten ergab sich ein bedeutsamer Wandel weg vom Ernährermodell, aber dies primär zugunsten teilmodernisierter Erwerbs- und Familienmodelle (Vater vollzeitlich, Mutter teilzeitlich tätig).

Mit der steigenden Erwerbsarbeit junger Mütter haben sich die Werthaltungen gewandelt und negative Vorstellungen zur Muttererwerbstätigkeit haben zwischen 1994/1995 und 2013 an Zustimmung eingebüsst. Allerdings stimmte auch 2013 ein Drittel der 20- bis 49-jährigen Frauen der Aussage zu, dass «ein Kind im Vorschulalter darunter leidet, wenn seine Mutter berufstätig ist». Bei den 20- bis 49-jährigen Männern waren es mehr als zwei Fünftel (BFS 2015). Traditionelle Werte zu Mutterschaft finden in Teilen der jüngeren Bevölkerung weiterhin eine gewisse Resonanz.

Arbeitsteilung in jungen Familien – Trend zur moderierten Egalität? Unabhängig vom Erwerbsmodell (traditionell – teilmodernisiert – egalitär) und der Familienform (zwei Elternteile, ein Elternteil) bleibt die Tatsache, dass die Lebensphase mit Kleinkindern eine der emotional und arbeitsmässig intensivsten Phasen im Leben von Frauen und Männern ist. Junge Eltern müssen sich nicht nur mit Kinderbetreuung und Kindererziehung befassen, sondern sie haben zum Aufbau einer beruflichen Karriere oder zur Festigung ihrer wirtschaftlichen Lebenslage oft berufliche Sonderanstrengungen zu erfüllen. Dies kann bei jungen Familien zu lebenszyklischen Mehrfachbelastungen beitragen: ein Problem, das durch den aktuellen Trend zu einer ‹entgrenzten Arbeitswelt› – in der sich Arbeit und Privatleben vermischen – verstärkt wird.

Wenn Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit zusammengezählt werden, sind junge Eltern mit hohen Arbeitspensen (von 60 bis 70 Wochenstunden) konfrontiert. Junge Väter und junge Mütter arbeiten insgesamt in etwa gleich viel. Der geschlechterbezogene Unterschied ist primär die Verteilung zwischen bezahlten und unbezahlten Arbeiten.

Die geschlechterbezogenen Ungleichheiten in der Verteilung der Haus- und Familienarbeiten haben sich in den letzten Jahrzehnten allerdings verringert. In der ersten Untersuchung zur Zeitverwendung in Haushalten von 1979/80 leisteten Mütter mit Kindern unter zehn Jahren 7,5-mal mehr Haushaltsarbeitsstunden als die Väter. 1991 verrichteten junge Mütter noch 5-mal mehr unbezahlte Haus- und Familienarbeit als junge Väter und 2013 waren sie noch 1,8- bis 1,9-mal stärker involviert (Höpflinger 2016). Darin widerspiegelt sich zum einen die Tatsache, dass sich die Beteiligung der Männer an der Haus- und Familienarbeit erhöht hat. Zum anderen verringerte sich aber auch der Arbeitsaufwand von Frauen (für Waschen, Putzen, Kochen) durch den Einsatz arbeitssparender Haushaltstechnologien. Eine eigentlich egalitäre Rollenverteilung mit beruflich etwa gleich starkem Engagement der Väter und Mütter ist erst bei relativ wenigen Familien zu beobachten.

Unbestreitbar ist jedoch die Tatsache, dass Väter sich heute familial stärker engagieren als früher. Dies gilt namentlich bei Paaren mit Kleinkindern, wo sich der durchschnittliche Arbeitsaufwand der Väter für die Familie von sieben bis acht Wochenstunden (1978/80) auf 31 Wochenstunden (2013) erhöht hat (Höpflinger 2016). Heutige Väter engagieren sich stärker in der Kinderbetreuung als früher. Dennoch übernahmen 2013 in Paarhaushaltungen mit Kindern unter sechs Jahren die Mütter weiterhin zu 69 Prozent die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung, indem sie ihre Kleinkinder anziehen, ihren Schulkindern bei den Aufgaben helfen oder sie in die Krippe oder Schule zu bringen. In 81 Prozent der Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren ist es die Mutter, die zu Hause bleibt, wenn ein Kind erkrankt ist (BFS 2015). Die Aufteilung der Kinderbetreuung zwischen Mutter und Vater variiert in Abhängigkeit von Wohnort, Erwerbsmodell und ihrem Bildungsniveau: Je urbaner das Milieu, je egalitärer das Erwerbsmodell und je höher das Bildungsniveau beider Partner, desto häufiger werden Kinderbetreuungsaufgaben gemeinsam übernommen (Schempp et al. 2015). Die Arbeitsverteilung in jungen Familien wurde zwar egalitärer, aber es ist vielfach die Mutter, welche Egalität zu organisieren bzw. zu moderieren hat.

Familienauflösung und moderater Trend zur Pluralisierung von Familienformen Der zeitweise markante Anstieg der Scheidungshäufigkeit war der Wandel, der am heftigsten zu Diskussionen zum Zerfall der Familie beitrug. Während 1970 erst 15 Prozent aller Ehen geschieden wurden, stiegen die Scheidungsraten bis Ende der 1990er-Jahre auf über 40 Prozent und zeitweise auf gegen 50 Prozent an. Deutlich angestiegen ist dabei der Anteil von Ehescheidungen, von denen keine minderjährigen Kinder betroffen waren. Hatten 1970 40 Prozent der sich scheidenden Paare keine minderjährigen Kinder, waren es 2014 mehr als 55 Prozent. Auch absolut betrachtet ist die Zahl der von einer Scheidung ihrer Eltern betroffenen minderjährigen Kinder seit den 1990er-Jahren nicht mehr angestiegen und seit 2009 zeigen sich sogar rückläufige Zahlen (Höpflinger 2017). Der Trend zu späten Scheidungen trägt dazu bei, dass weniger minderjährige Kinder von einer Scheidung ihrer Eltern betroffen sind, dafür jedoch mehr erwachsene Kinder damit konfrontiert werden.

Die Folge einer Eheauflösung mit (minderjährigen) Kindern ist häufig die Entstehung einer Einelternfamilie, wobei – auch wenn seit Juli 2014 grundsätzlich ein gemeinsames Sorgerecht gilt – die Kinder zumeist bei der Mutter leben. Auch die Trennung einer Konsensualpartnerschaft, der Tod eines Partners oder einer Partnerin sowie eine aussereheliche Geburt können zur Entstehung einer Einelternfamilie und unter Umständen später zur Gründung einer Zweit- oder Fortsetzungsfamilie führen. Es ist die vermutete Ausbreitung von Eineltern- und Fortsetzungsfamilien (oft als Patchworkfamilien bezeichnet), welche mediale Bilder zur erhöhten Vielfalt von Familienformen prägt.

Aufgrund unterschiedlicher Daten- und Berechnungsgrundlagen ist es nicht einfach festzustellen, ob und in welchem Masse Eineltern- oder Fortsetzungsfamilien an Bedeutung gewonnen haben. Deutlich wird im Zeitvergleich jedoch ein zentraler Punkt: Die sogenannte normale Kernfamilie (Kinder, die bei zwei Elternteilen aufwachsen) verbleibt die vorherrschende Familienform, namentlich für Kinder im Vorschulalter. Schulkinder und Teenager leben etwas häufiger als früher in Einelternfamilien, aber auch hier ist die Zweielternfamilie weiterhin die vorherrschende Familienform. Der Anteil an Einelternfamilien – bezogen auf alle Familien mit Kindern unter 18 Jahren – hat sich in den letzten fünfzig Jahren leicht erhöht, aber dieser Anstieg ist deutlich geringer als angesichts steigender Scheidungsraten erwartet wurde.

Insgesamt betrachtet kann – zumindest was die Entwicklung in der Schweiz betrifft – höchstens von einem moderaten Trend zur Pluralisierung von Familienformen ausgegangen werden. Patchwork-, Regenbogen- oder Dreigenerationenfamilien gibt es, aber ihre Verbreitung ist deutlich geringer, als mediale und politische Diskurse zur Vielfalt modernen Familienlebens es andeuten. Auch alternative Lebensformen jenseits von Paarbeziehungen und Kernfamilien haben sich in den letzten Jahrzehnten nur langsam ausgebreitet. Sowohl lebenslanges Singledasein als auch wohngemeinschaftliche Lebensformen werden von jungen Frauen und Männern grossmehrheitlich kaum als attraktive Optionen wahrgenommen (ausser für eine kürzere Lebensphase vor oder nach einer Paarbeziehung). Feststellbar ist jedoch eine erhöhte Toleranz und Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Lebens- und Familienformen. Möglicherweise hat ein grosses mediales Interesse an alternativen Lebens- und Familienformen dazu beigetragen, dass – obwohl die Zweitelternfamilie statistisch vorherrschend bleibt – die Kernfamilie ihre prägende Kraft als Norm eingebüsst hat. Die gesellschaftliche Akzeptanz verschiedener Familienmodelle erweitert den Optionsraum selbst für junge Männer und Frauen, die sich für traditionelle Lebens- und Familienbeziehungen entscheiden.

Abschlussdiskussion Die gesellschaftlichen Diskussionen zu Familien bewegen sich seit Jahrzehnten zwischen einer Idealisierung der Familie – basierend auf nostalgischen Mythen zur Familie von früher – und der Angst vor einem Zerfall familialer Strukturen. So wird in manchen medialen Darstellungen der Anstieg von Einelternfamilien zahlen- und anteilmässig überschätzt. Eine genauere Analyse illustriert, dass namentlich für Familien mit Kleinkindern die Kernfamilie weiterhin die vorherrschende Familienform darstellt, und bei wichtigen Dimensionen familialen Lebens zeigt sich eher das Muster einer Teilmodernisierung als ein grundlegender Strukturwandel. Zeitweise propagierte neue familiale Rollenmodelle – von Doppelverdienerfamilien mit zwei vollzeitlich erwerbstätigen Eltern bis zu egalitären Erwerbs- und Familienmodellen (beide Eltern arbeiten teilzeitlich und beide engagieren sich in gleichem Masse bei der Kinderbetreuung) – haben sich weniger stark verbreitet, als erwartet wurde. Ebenso gibt es weiterhin kaum familiale Rollenumkehrungen (Vater vollamtlich als Hausmann und Kinderbetreuer tätig, Mutter vollzeitlich erwerbstätig). Auch gemeinschaftliche Wohn- und Familienformen bleiben eine Ausnahme. Selbst die zeitweise populäre Gestalt eines lebenslangen Singles – als Ausdruck einer hyperindividualisierten Gesellschaft – hat an Kraft eingebüsst und seit den 1990er-Jahren hat sich langjähriges Singleleben vom «Leitbild zum Leidbild» gewandelt.

Partnerschaft und Familie mit Kindern weisen auch bei den jüngsten Generationen von Frauen und Männern eine hohe Wertigkeit auf. Es lässt sich sogar postulieren, dass familiale Lebensformen in einer sich rasch verändernden Gesellschaft eine Neuaufwertung erfahren haben – und dies gilt nicht nur für ländliche Regionen, sondern auch für urbane Milieus.

  • Literaturverzeichnis
  • BFS, Bundesamt für Statistik (2017): Familien in der Schweiz. Statistischer Bericht 2017, Neuchâtel: BFS.
  • Höpflinger, François (2017): «Junge Familien in den letzten Jahrzehnten – zwischen Kontinuität und Wandel», in Familienbericht 2017. Bericht des Bundesrates, Bern: EDI, S. 8 –26.
  • Höpflinger, François (2016): «Familien und familiale Beziehungen – integrative und produktive Leistungen», in Sozialalmanach 2016‚ Familie ist kein Luxus,Luzern: Caritas-Verlag, S. 119–135.
  • BFS, Bundesamt für Statistik (2015): Erhebung zu Familien und Generationen 2013. Erste Ergebnisse,Neuenburg: BFS.
  • Schempp, Daniela; Schief, Sebastian; Wagner, Aylin (2015): «Determinants of Detraditionalization of the Division of Housework and Family Work in Swiss Couples Households», in Zeitschrift für Soziologie41, 1, S. 33 –57.
  • Wirthlin, Annette (2015): Bye Bye Baby? Frauen im Wettlauf gegen ihre biologische Uhr, Thun: Werd & Weber Verlag.
  • Häberling, Isabel N. (2013): Kinder zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Zürich: Seismo.
  • Höpflinger, François (2004): «Familie und Beruf heute – ausgewählte statistische Informationen», in Zeit für Familien. Beiträge zur Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsalltag aus familienpolitischer Sicht, Bern: ­Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen, S. 35–51.
  • Juhasz; Anne; Mey, Eva (2003): Die zweite Generation: Etablierte oder Aussenseiter?Biographien von Jugendlichen ausländischer Herkunft, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.