Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigungen CHSS Nr. 2 / Juni 2018

Arbeitsmarktzugang als Schlüssel zur Selbstbestimmung

Die Präsidentin von Inclusion Handicap und Aargauer Ständerätin Pascale ­Bruderer hat mit ­ihrer Petition den entscheidenden Impuls zur Realisierung der nationalen ­Konferenz ­gegeben. Hier beschreibt sie ihre ursprünglichen Erwartungen, zieht Fazit und skizziert die Schritte, die sie und Inclusion Handicap als nächstes planen.

Pascale Bruderer, Ständerätin und ­Präsidentin von Inclusion Handicap

Was waren Ihre Erwartungen, als Sie das Postulat für eine nationale Konferenz zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung einreichten? Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist ein Schlüssel für die Selbstbestimmung und Inklusion von Menschen mit einer Behinderung. Nicht nur aus sozialer, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht gilt es, diesen Zugang zu forcieren und Diskriminierungen zu vermeiden. Erhebungen zeigen, dass Menschen mit Behinderungen überdurchschnittlich oft diskriminiert werden.

Zahlreiche Personen, Organisationen und Ämter treiben Fortschritte in diesem Bereich mit viel Engagement und innovativen Ideen voran – dennoch fehlt häufig eine koordinierte Vorgehensweise. Zudem gibt es teilweise Überschneidungen oder Synergien, die nicht optimal genutzt werden.

Eine Verbesserung in Richtung inklusive Arbeitswelt kann nur gelingen, wenn alle am gleichen Strick ziehen und das Thema interdisziplinär angegangen wird. Mit dem Postulat und der Einberufung der Nationalen Konferenz zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung konnten zum ersten Mal alle beteiligten Akteure an einen Tisch gebracht werden. Es wurde ein Gefäss kreiert, damit eine umfassende Auslegeordnung stattfinden konnte. Nun hoffe ich, dass daraus konkrete Massnahmen mit entsprechend nachhaltigen Resultaten folgen.

Sie nahmen an allen drei Sitzungen der Konferenz teil. Welche Highlights sind Ihnen in Erinnerung geblieben? Beeindruckt hat mich generell das enorme Know-how, das im Rahmen der Konferenz zusammenfand. Als eigentlichen Schlüsselmoment werde ich jedoch den Augenblick in Erinnerung behalten, als im Rahmen der zweiten Konferenz die Fülle der bereits vorhandenen erfolgreichen Projekte sichtbar wurde. Das ist einerseits erfreulich und der Einblick war enorm spannend. Andererseits zeigt sich dadurch auch, dass das vorhandene Potenzial aktuell zu wenig genutzt wird und dass Erfolgsrezepte zu selten ausgetauscht werden. Eine Lehre daraus sollte sein: Nicht überall muss das Rad neu erfunden werden, man darf auch kopieren, soll vermehrt voneinander lernen und abschauen.

Welchen konkreten Beitrag leistet die nationale Konferenz an die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigungen? Ich sehe Beiträge auf drei Ebenen:

Erstens hat die Konferenz einigen der bisherigen Ansätze zu mehr Sichtbarkeit und Bekanntheit verholfen – und in dem Sinne hoffentlich zu zusätzlichem Schub.

Zweitens erhoffe ich mir dank dem intensivierten Dialog mehr Synergien und Zusammenarbeit über föderale und andere Ebenen hinweg.

Und drittens ist es erfreulich und unerlässlich, dass die Schlüsse aus der Nationalen Konferenz zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung auch in andere politische Vorhaben einfliessen, wie z. B. in die Weiterentwicklung der IV oder in die Konkretisierung der nationalen Behindertenpolitik.

Wurden Ihre Erwartungen insgesamt erfüllt? Die Art und Weise, wie seitens des BSV die Konferenz organisiert und durchgeführt wurde, war beeindruckend. Ich danke allen an der Organisation Mitbeteiligten von Herzen und bin begeistert vom Engagement, das hier an den Tag gelegt wurde.

Ob nun die Resultate aus der Konferenz ebenso zufriedenstellend sein werden, hängt von den Taten ab, die folgen werden. Hier sind wir alle gefordert in unseren verschiedensten Bereichen. Ich hoffe und erwarte, dass der Schwung aus den Konferenzen genutzt wird und im Sinne eines Monitorings künftig genau dies sichergestellt werden kann.

Welche Folgemassnahmen zur nationalen Konferenz planen Sie bei «Inclusion Handicap» beziehungsweise im Rahmen Ihres politischen Mandats? Als Präsidentin von Inclusion Handicap kann ich festhalten, dass unser Dachverband diverse Projekte, die im Rahmen der Nationalen Konferenz zur Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung hervorgehoben wurden, fachlich und politisch begleiten wird.

Auch als Politikerin ist mir der Follow-up aus der Konferenz wichtig. Ausserdem möchte ich dazu beitragen, die Augen für die Chancen zu öffnen, die die Zukunft bringen. Dies auch in Bezug auf neue Technologien, Robotik und generell die digitale Transformation. Diesbezüglich haben wir alles Interesse daran, nicht nur an die Risiken zu denken und diese abzudecken, sondern auch die Chancen für Menschen mit Behinderung verstärkt zu erkennen und zu fördern.