Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigungen CHSS Nr. 2 / Juni 2018

Arbeitsmarktintegration findet vor Ort statt

Als Präsidentin der IV-Stellenkonferenz (IVSK) vertritt Monika Dudle-Ammann ­zentrale ­Akteure der beruflichen Integration. Sie hält fest, dass die Arbeitsmarktintegration sich am ­lokalen Kontext orientieren muss, um erfolgreich zu sein, und sie betont die Rolle der IVSK als Plattform für den Austausch und die Wissensvermittlung.

Monika Dudle-Ammann, Präsidentin IV-Stellen-Konferenz

Die IV-Stellen sind in verschiedenen Good-Practice-Projekten ein zentraler Partner: Wo liegen die Herausforderungen der Zusammenarbeit mit den Integrationsakteuren, insbesondere mit Arbeitgebern und Ärzteschaft? Eine Arbeitsmarktintegration kann nur gelingen, wenn alle am selben Strick ziehen. Es gilt, möglichst von Anfang an alle Akteure an einen Tisch zu bringen, Erwartungen abzugleichen und ein gemeinsames Ziel sowie einen gemeinsamen Weg festzulegen. Dies ist nicht immer einfach und oft braucht es zuerst einen gewissen Reifeprozess bei den verschiedenen Beteiligten. Eine Integration gelingt dann am besten, wenn es allen Seiten passt. Für die IV-Stellen ist es eine grosse Herausforderung, den richtigen Arbeitgeber mit der richtigen versicherten Person unter Einbezug der verschiedenen Partner zusammenzubringen.

Was funktioniert bei der Zusammenarbeit zwischen den IV-Stellen und den anderen Integrationspartnern besonders gut? In den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein bei allen verstärkt, dass man das Ziel nur gemeinsam erreichen kann. Wir spüren eine grosse Bereitschaft bei Arbeitgebenden, aber auch bei den anderen Partnern, sich für die Arbeitsmarktintegration zu engagieren. Eine gelungene Integration ist ein Mehrwert für alle: eine Perspektive und Einkommen für die versicherte Person, ein motivierter Arbeitnehmer für das Unternehmen. Die ganze Gesellschaft gewinnt, indem möglichst viele Personen am Arbeitsmarkt teilhaben können.

Die Massnahmen, die im Rahmen der nationalen Konferenz vorgestellt wurden, zeigen das Geschick der IV-Stellen, innovative, an den lokalen Kontext angepasste Projekte zu entwickeln. Wie beurteilen Sie diese? An der Konferenz wurden ganz verschiedene Projekte vorgestellt, die unterschiedliche Ansätze verfolgen und auf unterschiedliche Zielgruppen abgestimmt sind. Die Entwicklung von Projekten, die auf die Bedürfnisse vor Ort ausgerichtet sind, haben die besten Chancen auf Erfolg. Integration geschieht lokal, vor Ort, indem eine versicherte Person mit einem konkreten Arbeitgeber und den lokalen Partnern zusammenkommt. Daher legen wir (die IVSK) sehr viel Wert darauf, dass Konzepte auch vor Ort entwickelt und nicht «diktiert» werden. Dies bietet so auch den notwendigen Freiraum für die Umsetzung. Was in der Stadt Zürich als Projekt gut funktioniert, muss nicht zwingend in einem kleinen Kanton gelingen, sondern zuerst auf die Gegebenheiten angepasst werden.

Was sind aus Sicht der IV-Stellen-Konferenz die wichtigsten Ergebnisse der nationalen Konferenz? Als ganz wichtig erachten wir, dass die Konferenz sehr breit abgestützt war: Es sassen nicht nur Partner aus dem engeren Integrationsfeld am Tisch, sondern auch aus weiter gefassten Bereichen wie z. B. der Bildung. Die Konferenz hat Schwung in das Thema Arbeitsmarktintegration gebracht; man könnte auch sagen, sie hat das Räderwerk in Gang gesetzt. Die Vorstellung der verschiedenen Projekte gab Gelegenheit, sich mit innovativen Ideen auseinanderzusetzen, die in den eigenen Alltag übernommen werden können.

Wie kann die IV-Stellen-Konferenz die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigungen nachhaltig unterstützen? Wir wollen den Schwung der Konferenz nutzen, um das Thema «Arbeitsmarktintegration» weiter zu fördern, vor allem im praktischen Alltag. Die IVSK als Dachverband der IV-Stellen bietet ihren Mitgliedern eine Plattform für den gegenseitigen Austausch, für das gegenseitige Lernen und zur Entwicklung von neuen Ideen und Projekten.